Pflegereform – was ist zu erwarten?

Mit der Pflegereform sollen laut Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) besonders Familien der Rücken gestärkt werden. Ab dem 1. Januar 2015 werden im Zuge der Neureformierung weitere Maßnahmen berücksichtigt, die die Pflege durch das Zutun von Angehörigen besser entlohnt.

Das ändert sich mit der neuen Pflegereform

Dank der neuen Pflegereform sollen künftig Familien mit pflegebedürftigen Menschen besser entlastet werden. Wichtig ist hierbei, dass vor allem Personen, die eine deutlich aufwendigere Pflege erhalten müssen, in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können.

Gleichzeitig soll es den pflegenden Angehörigen möglich sein, die Pflege durch die neue Reform flexibler zu gestalten. In der Vergangenheit waren es nämlich vornehmlich Ehefrauen sowie Töchter, welche für die Pflege der Angehörigen verantwortlich waren.

Die neue Pflegereform möchte künftig vor allem eins tun: Familien stärker entlasten und unterstützen. Der Bundesgesundheitsminister möchte nunmehr, dass die Pflegepersonen für ihre Aufwendungen besser entlohnt werden. So sollen in Zukunft ausdrücklich mehr Gelder für die Pflege im eigenen Haus gezahlt werden. So können zum Beispiel ab dem 01. Januar 2015 bis zu 4.000€ für jede pflegebedingte Umbaumaßnahme im Eigenheim beantragt werden können. Dies bedeutet mitunter eine Erhöhung von rund 1.450€ mehr als bisher.

Längere Auszeiten dank neuer Reform

Ebenso sollen die Auszeiten flexibler gestaltet werden. So sollen Angehörige nunmehr häufiger eine Auszeit von der Pflege nehmen können. Die sogenannte Verhinderungs- und Kurzzeitpflege kann somit für einen deutlich längeren Zeitraum beantragt werden. Durch die Verhinderungspflege, die mit einer Urlaubsvertretung vergleichbar ist, kann jetzt im Jahr die Auszeit auf sechs Wochen ausgedehnt werden, während früher nur vier Wochen möglich waren.

Auch die gesetzliche Pflegeversicherung unterstützt diese Maßgabe mit round about 2.400€ im Jahr. Pflegebedürftige können die Kurzpflege ebenso von vier auf acht Wochen jährlich erhöhen. Während dieses Zeitraums kann auch eine Versorgung im Heim beantragt werden, wenn beispielsweise eine Erholung nach einem Krankenhausaufenthalt von Nöten ist oder die Familie entlastet werden muss. Die notwendigen Kosten werden mit 3.224€ und somit 124€ mehr im Jahr unterstützt.

Mehr Flexibilität für Familien

Tritt der Ernstfall ein, so haben Angehörige von Pflegefällen natürlich einen Anspruch auf Lohnersatzzahlungen. So erhalten Angehörige, wenn sie sich um bis zu 10 Tage um familiäre Pflegefälle kümmern müssen, einen Teil des Gehaltes nach dem Vorbild des Kinderkrankengeldes offeriert. Hat sich eine Person für die Pflege des Angehörigen entschieden, so kann nach dem neuen Pflegestärkungsgesetz die stationäre Tages- sowie Nachtpflege mit der ambulanten Pflegesachleistung kombiniert werden.

Auch die Betreuungsleistung kann neben den Pflegesachleistungen verwendet werden. So erhalten Pflegebedürftige zum Beispiel Unterstützung beim täglichen Einkauf oder bei etwaigen Behördengängen. Jeder Leistungsempfänger erhält für diese Ma0nahme 104€ im Monat, Demenzkranke unter gewissen Umständen sogar 208€.

Wie hohe Pflegekosten umgangen werden können

Angehörige, die Verwandte pflegen, können durch kombinierbare Angebote für stationäre sowie ambulante Versorge die Ausübung des eigenen Berufs nun auch besser kombinieren. Allerdings reichen die Aufwendungen der gesetzlichen Pflegeversicherung in den meisten Fällen kaum aus, um die entstandenen Kosten ausreichend decken zu können. Können Pflegebedürftige als mit der Rente und den Ersparnissen nicht für die Leistungen der Pflege aufkommen, so werden die Angehörigen mit einem Teil ihres Einkommens belangt.

Aus diesem Grund raten Experten zu einer privaten Vorsorge. Sollten sich ältere Menschen mit dieser Form der Absicherung nicht anfreunden können, so haben auch die Kinder die Möglichkeit eine Absicherung für die Eltern und für sich selbst zu schaffen.

So kann die Pflegereform mehr Nutzen bringen

Für Bundesgesundheitsminister Grohe ist es wichtig, die Pflege in den eigenen vier Wänden weiterhin zu stärken. So wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Jahr 2012 bis zu 69% aller pflegebedürftigen Personen im Eigenheim versorgt. Trotz dieser Fakten betrachten Skeptiker die neue Pflegereform mit Argusaugen. So sind die Linken für eine weitere Entlastung der pflegenden Angehörigen, wird die gesellschaftliche Verantwortung deutlich kritisiert. Auch Experten sehen hier stärkere Anforderungen an die Verwandtschaft von Pflegebedürftigen.

Viel schwerwiegender liegt die Kritik, dass die geplante Erhöhung sämtlicher Pflegeleistung sich lediglich um 4% handelt. Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband teilt in einem Interview mit der Tagesschau unmissverständlich mit, dass es sich bei dieser Verbesserung lediglich um einen sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein handele und weitere Schritte unabdingbar seien. Das Missverhältnis zwischen Vorsorgefonds und privaten Pflegeversicherungen zeigt auf, dass sich die Betroffenen nicht nur auf die gesetzliche Pflegeversicherung verlassen dürfen, sondern eine gewisse Vorsorge tragen müssen.

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